Meine Freundin Vreni ist 58, verwitwet seit sechs Jahren und hat lange gesagt, Online-Dating sei «nichts für Leute, die noch Briefe schreiben». Im letzten Frühling hat sie es trotzdem probiert, auf Zusammen.ch, und ich habe sie dabei begleitet, mit meinen Notizen aus der eigenen Zeit auf der Seite und sehr viel Kaffee an ihrem Küchentisch in Neuhausen. Dieser Bericht ist also ein bisschen zu zweit entstanden.
Um es vorwegzunehmen: Vreni ist heute nicht verheiratet, aber sie geht jeden zweiten Sonntag mit einem pensionierten Lehrer aus Stein am Rhein wandern, und sie strahlt dabei. Ich gebe Zusammen.ch eine 9,6 von 10 und erkläre gern, warum.
Zusammen.ch bringt Singles über fünfzig zusammen, der Name ist also Programm. Früher hiess die Seite in der Schweiz Kultivierte Singles, im Sommer 2022 bekam sie ihren heutigen Namen. In anderen Ländern läuft das gleiche Angebot unter Singles50. Technisch steckt die gleiche Plattform dahinter wie bei be2, und das merkt man an der Qualität: Alles ist durchdacht, nichts hakt.
Was die Seite von anderen unterscheidet, ist der Ton. Die Texte sind ruhig und warmherzig, die Bilder zeigen Menschen mit grauen Schläfen und Lachfalten, und niemand tut so, als müsste man mit 60 noch wie 30 aussehen. Vreni sagte nach fünf Minuten: «Hier fühle ich mich nicht zu alt.» Mehr Lob geht von ihr nicht.
Du gibst an, wer du bist und wen du suchst, dann folgt die Zusammen.ch-Persönlichkeitsanalyse. Sie dauert ungefähr zwanzig Minuten. Vreni hat zwischendurch eine Pause gemacht, um die Katze zu füttern, und konnte danach problemlos weitermachen. Die Fragen sind verständlich formuliert , ohne Fachbegriffe.
Danach bekommst du kostenlos dein Ergebnis, eine Beschreibung deines idealen Gegenübers und die ersten Vorschläge. Ab hier lohnt es sich, das Profil sorgfältig auszufüllen. Wir haben für Vreni einen kurzen Text geschrieben, in dem ihr Garten, ihre Enkelin und ihre Liebe zu Krimis vorkamen. Die ersten drei Nachrichten bezogen sich alle auf die Krimis.
Dazu kommt etwas, das schwer zu messen ist: Die Gespräche hatten Tiefe. Vreni hat mit einem Mann aus Frauenfeld drei Wochen lang über Bücher geschrieben, bevor sie sich überhaupt getroffen haben. Daraus ist zwar nichts geworden, aber sie hat zwei Romane entdeckt, die sie heute noch verschenkt.
Gratis kannst du den Test machen, Vorschläge sehen und erste Kontakte mit einem Lächeln oder einer Flirtfrage anstossen. Um Nachrichten frei zu lesen und zu schreiben und die Fotos klar zu sehen, brauchst du Premium. Die Preise erscheinen nach der Anmeldung und bewegen sich ab ca. CHF 59.90 pro Monat beim Jahresabo, bis rund CHF 120 im Monat bei drei Monaten. Sechs Monate liegen dazwischen.
Vreni hat sich für drei Monate entschieden, weil sie «erst mal schauen» wollte, und danach auf sechs verlängert. Wichtig: Das Abo läuft automatisch weiter, wenn du es nicht spätestens vier Wochen vor dem Ende kündigst. Wir haben den Termin in ihren Wandkalender in der Küche geschrieben, gleich neben den Geburtstag ihrer Enkelin.
Das klingt seltsam, war aber so. Vreni hatte nach drei Wochen ein Treffen mit Kurt aus Stein am Rhein ausgemacht, und weil sie nervös war, sass ich zwei Tische weiter im gleichen Café in der Altstadt, mit einer Zeitung, die ich nicht gelesen habe. Nach zwanzig Minuten hat sie mir unter dem Tisch eine Nachricht geschickt: «Kannst gehen.» Ich bin gegangen. Die beiden haben noch zwei Stunden geredet.
Was mir an diesem Nachmittag aufgefallen ist: Die Menschen auf Zusammen.ch wissen, was sie wollen, und sie haben Zeit. Niemand hat es eilig, niemand muss in zwanzig Minuten die Kinder abholen. Gespräche dürfen sich entwickeln. Kurt hatte vorher drei Wochen lang jeden zweiten Abend geschrieben, immer ein paar Absätze, nie aufdringlich. Vreni sagt, sie habe sich in seine Satzzeichen verliebt, bevor sie ihn gesehen hat.
Ich selbst hatte während meiner Suche ebenfalls ein Profil auf Zusammen.ch und habe dort ein paar schöne Gespräche geführt, obwohl ich mit damals 49 eher am unteren Rand der Altersgruppe war. Ein pensionierter Förster aus dem Klettgau hat mir mehr über Bäume beigebracht als jedes Buch.
Viele Menschen über fünfzig haben vor allem eine Sorge: «Werde ich da betrogen?» Ich kann nur von unseren Erfahrungen berichten, und die waren gut. Profile werden geprüft, Fotos automatisch kontrolliert, und es gibt eine Meldefunktion, die schnell reagiert. Trotzdem gilt, was überall gilt: Niemals Geld überweisen, keine Ausweiskopien schicken, und wer nach zwei Nachrichten schon von grosser Liebe spricht, darf ruhig ein bisschen warten. Allgemeine Tipps zur Sicherheit im Netz findest du auch bei Pro Senectute, die regelmässig Kurse für Ältere anbieten.
Ja, das ist möglich. Die meisten Mitglieder sind aber über fünfzig, und darauf sind die Vorschläge abgestimmt. Mit 48 lohnt sich vielleicht auch ein Blick auf Verliebt ab 40.
Nein. Aber du siehst die Fotos anderer nur, wenn du selbst eines hast, und mit Foto bekommst du deutlich mehr Antworten. Vreni hat ein Bild aus den Ferien im Engadin genommen, mit Sonnenhut.
In der Schweiz ja, die Seite wurde 2022 umbenannt.
Sicher, Zusammen.ch hat eine App im App Store und bei Google Play. Die Funktionen sind die gleichen wie im Browser, man kann problemlos zwischen beiden wechseln, ohne etwas zu verlieren.
Mehr Gedanken zur Partnersuche in dieser Lebensphase stehen in meinem Ratgeber für die Partnersuche ab 50.
Ich bin Monika aus Schaffhausen und habe die grossen Partnerbörsen selbst ausprobiert. Mehr über mich